Uber, Bolt & Co. – wie stellt sich das bayerische Taxi- und Mietwagengewerbe zukünftig auf? (2)

Die große Herausforderung der Zukunft: Zergliederte Einzelunternehmen versus Uber & Co. – die milliardenschweren Giganten.

Eine Analyse mit Handlungsempfehlungen aus Sicht Marketing.

Im Nachgang zu unserem Think Tank 2025 (Video des Events) dürfen wir Ihnen einige Informationen zum Kontext der großen App-Vermittlungen überreichen.

Uber und Bolt sind inzwischen in den großen bayerischen Städten präsent. Und nicht mehr wegzudenken.

Das Taxi-Gewerbe in München, Augsburg, in der Metropolregion Nürnberg, Regensburg (und jüngst auch in Bayreuth und Würzburg) haben erhebliche Umsatzeinbrüche zu verzeichnen.

Warum und auf welche Weise gelingt es Uber und Bolt, einen jahrzehntelang vom örtlichen Taxi-Gewebe dominierten Markt innerhalb kürzester Zeit zu destabilisieren und wesentliche Marktanzeile regelrecht zu „erobern“?

Dieser Frage hat sich unser Referent des letztjährigen Think Tanks, der Marketing-Fachmann Bernhard Linz, angenommen. Sehen Sie hier einen bemerkenswerten Ansatz:


Ein Beitrag von Bernhard Linz

Zum Einstieg ein paar einfache Fragen

„Wie läuft das Geschäft?“ Ist da unsere Antwort „Sehr gut, und das wird auch zukünftig sehr gut laufen.“? Oder eher „Oh, da gibt es erfolgreiche internationale Geschäftsmodelle, die uns schon heute und vor allem zukünftig schwer zu schaffen machen.“

„Haben wir Probleme und wenn ja, mit wem?“ Und damit verbunden: „Handeln wir konsequent und nachhaltig?“ Ist da die Antwort „Es reicht, wenn wir ganz viele bedruckte Kugelschreiber und andere schöne Werbeartikel verteilen und mehr Telefonkräfte für die Annahme einstellen.“ Oder sollte die Antwort eher in diese Richtung gehen: „Wir müssen uns konsequent gegen Uber, Bolt & Co. aufstellen.“

TAXI kann durchaus Stärken ins Feld führen

Die Tarifordnung ist klar, transparent, fest und verlässlich: Tarifpflicht, Pflichtfahrgebiete, Beförderungs- und Betriebspflicht sowie ein großes Serviceangebot: z. B. Sozialbeförderung (= Krankenfahrten und Inklusion), Flughafentranfers etc. 

Die lokale Verankerung mit starkem Bezug zu Städten/Regionen und die oft bessere Ortskundigkeit schafft Vertrauen in eine etablierte Dienstleistung, die seit Jahrzehnten bekannt ist.

Aber TAXI hat auch Schwächen

Der TAXI-Auftritt heute ist uneinheitlich:
Verschiedene Vermittlungszentralen mit unterschiedlichen Vermittlungsmedien machen es dem Kunden nicht einfach: Taxi-Deutschland, Freenow, taxi-de, mpc-Software, unterschiedliche Rufnummern usw. 

Die technologische Rückständigkeit zeigt sich durch eine fehlende einheitliche Plattform / App und TAXI tut sich schwer bei neuen Geschäftsmodellen.

Uber, Bolt & Co. haben viele Stärken

Digitale Plattformen und intuitive Apps, einfache Buchung, transparente Preise, bargeldloses Bezahlen, Fahrerbewertungssysteme, GPS-Tracking. Zudem werden Uber und Bolt  mit ihren globalen Netzwerken als starke Marken wahrgenommen.

Diese werden oftmals als „sexier“ und moderner wahrgenommen, als das klassische Taxi.

Und letztlich: Oft sind diese günstiger, als klassische Taxis …

Aber Uber & Co. haben auch Schwächen

Rechtliche Unsicherheit, vielerorts Konflikte mit lokalen Gesetzen und Regulierungen. Hier sind insbesondere die systematischen Verstöße gegen die Rückkehrpflicht am bedrohlichsten für das Taxi- und Mietwagengewerbe. Hinzu kommen die Arbeitsbedingungen der Fahrer, Dumpingpreise und Preisschwankungen, die Kunden abschrecken.

Zusammenfassend

Uber und Bolt punkten bei Digitalisierung, Convenience und Preisflexibilität. Allerdings gibt es u. a. massive Rechtsverstöße (Rückkehrpflicht!). Damit ist Uber & Co. – gefühlt – zwar modern und sexy, aber oft nicht fair. 

TAXI dagegen ist verlässlich, etabliert und rechtlich abgesichert, hat aber Innovations- und Digitalisierungsdefizite. Damit ist TAXI – gefühlt – zwar zuverlässig, aber rückständig. 

Man kann feststellen: TAXI steht unter massivem Druck

  1. Erfolgreiche globale Plattformen bedrohen unser Geschäftsmodell
  2. Zersplitterte eigene Strukturen: eine Vielzahl von Taxiunternehmen und -verbänden 
  3. Fehlende flächendeckende digitale, schnelle und transparente Services
  4. „Bewährte“ Markteroberungsstrategien von Uber.
    Merke: Uber greift ganz routiniert zum X-ten Mal an – und jeder neu Angegriffene macht das (leider) zum ersten Mal mit. Chancengleichheit sieht anders aus…
  5. Systematische Rechtsverstöße der int. Plattformen (Stichw. „Rückkehrpflicht“)

Was kann TAXI tun?

  • These: Einzelaktionen versprechen keinen nachhaltigen Erfolg
  • TAXI muss kollektive Stärke erzeugen – natürlich ohne, dass einzelne Unternehmer ihre Eigenständigkeit aufgeben müssen! 

Sinnvoll erscheint die Erarbeitung einer mehrstufigen Vorgehensweise:

1. Gemeinsame Marke

Etablierung einer nationalen oder zumindest überregionalen Dachorganisation und damit einer einheitlichen Marke („Die Taxis in Deutschland“), die bundesweit wirkt, aber lokal agiert. Dazu müssen Ziele definiert und Maßnahmen umgesetzt werden:
technologische Entwicklungen sind zu finanzieren, zentrale Marketingaktionen aktiviert werden – und vor allem sind rechtliche Auseinandersetzungen zu stemmen (nochmals: die Rückkehrpflicht von Uber & Co. ist für das Geschäftsmodell der Taxi- und Mietwagenbranche äußerst bedrohend und muss durchgesetzt werden!).
Die Frage hierzu ist: Sind alle Bundesverbände mit diesen Positionen übereinstimmend?

2. Professionelles, zentrales Marketing mit zentralen Kampagnen

Mit einer guten Positionierung geht es darum, einen spezifischen Platz im Bewusstsein der Zielgruppe(n) zu besetzen und sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Dabei sind sinnigerweise Botschaften zu lancieren, die Uber nicht bedienen kann, à la:„Dein TAXI ist sicher, fair, lokal.“ sowie die Betonung der lokale Verbundenheit im Sinne von „Unterstütze dein lokales Taxi – dein Geld bleibt in der Region.“ Die Marketing-Klaviatur ist groß: Aktives Social Media, Influencer und lokale Partnerschaften und Kooperationen kommunizieren die Vorteile gegenüber Uber. Das Marketing-Ziel sollte einen Imagewandel herbeiführen vom „verstaubten“ Bild des Taxis hin zu einem modernen, digitalen Mobilitätsdienstleister.

3. Gemeinsame Plattform und Digitalisierung nach state of the art

Eine gemeinsame digitale Plattform erscheint überaus wichtig: Buchung, Tracking, bargeldloses Zahlen, Bewertungssystem etc. … alles vereint in einer App. („TAXI ist modern.“) Theoretisch ist dies der richtige Ansatz, in der Praxis aber leider schon mal gescheitert …
Datenbündelung: Einheitliche Systeme, um Fahrgastströme, Nachfragezeiten und Auslastung besser zu steuern. Daten werden auch genutzt, um Marketing gezielt zu optimieren. KI-gestützte Routenoptimierung und Lastenverteilung: Kostensenkung, bessere Auslastung. Ggf. Open-Source- oder Lizenz-Software nutzen: So können kleine Betriebe sofort digitale Standards einführen. Dies wird höchstwahrscheinlich nicht einfach  umzusetzen sein, denn genau daran krankt es ja: die Zergliederung der Taxi- und Mietwagenbranche.

4.  Differenzierung in Qualität und Service

Moderne Marketing-Instrumente sind im Taxi-Gewerbe aktuell nicht zu erkennen. Es gäbe aber viel hervorzuheben: lizenzierte Fahrer, geprüfte Fahrzeuge, klare Qualitätsstandards WLAN und Handy-Ladekabel, freundlicher Service, garantierte Maximal-Wartezeiten und Serviceerweiterungen, die Uber oft nicht bieten kann: Kranken- und Rollstuhltransporte, Kinder- und Seniorenshuttles, Firmenfahrten auf Rechnung (Business Account), Kooperationen mit lokalen Unternehmen, Hotels, Kliniken oder Flughäfen für feste „Shuttle-Deals“ mit Großkundenrabatten. Kooperationen mit Städten und Gemeinden, um Taxifahrten in den ÖPNV-Plan zu integrieren, z. B. als „On-Demand“-Lösung. Zu eruieren sind Treueprogramme, wie Bonuspunkte oder Rabattgutscheine, um Stammkunden zu binden.

5. Last not least – und der fast wichtigste Punkt

Politischer Druck und die Durchsetzung von Regeln: Das Taxi- und Mietwagengewerbe muss GEMEINSAM als Lobby gegenüber der Politik auftreten, um einheitliche und faire Regulierungen einzufordern – insbesondere die Durchsetzung der Rückkehrpflicht. Dazu müssen systemische Voraussetzungen geschaffen werden – sicherlich wird es über kurz oder lang KI-basierte Möglichkeiten geben, Regelverstöße von Uber & Co. nachzuweisen – und juristische Auseinandersetzungen geführt (Präzedenzfälle geschaffen) und Abmahnungen durchgesetzt werden. Zudem müssen Genehmigungsverfahren vereinfacht werden, damit Innovation nicht behindert wird. Die Zusammenarbeit der Verbände und Lobbyarbeit ist zu bündeln. 


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Zusammenfassend

Die große Bedrohung für das Geschäftsmodell der Taxi- und Mietwagenbranche ist NICHT der Unternehmer von nebenan.

Es sind vielmehr die global höchst aggressiv und erfolgreich agierenden modernen Plattformen wie Uber und Bolt.

Merke

Einzelaktionen, à la das Verteilen von gebrandeten Kugelschreibern versprechen keinen nachhaltigen Erfolg. TAXI muss kollektive Stärke gegen Uber, Bolt & Co. erzeugen … und dies ist sicherlich möglich, auch ohne, dass einzelne Unternehmer und Verbände ihre Eigenständigkeit aufgeben müssen!

Die Angst vor einer Bedrohung kann ein guter Motor für Neues sein – jedoch bei einer Gefahrenlage unentschlossen nichts zu unternehmen, ist aber oftmals nur die zweitbeste Lösung.

Unser Autor

Bernhard Linz ist Marketing- und Kommunikationsfachmann mit langjähriger Erfahrung und Expertise im Bereich Markenaufbau und -führung erfolgreicher Marken. „Brille:Fielmann“ kennt jeder.


Hinweis in eigener Sache: der diesjährige Think Tank wird am 25. und 26. Juni 2026 im bewährten 2-Tages-Format durchgeführt. Veranstaltungsort ist das katholische Internat Aufseesianum in Bamberg. Details soon.

Kontakt

Bernhard Linz

LINZKOMMUNIKATION
Bernadottestraße 165
22605 Hamburg

Telefon 0151 55 11 36 05
Telefon 0174 920 91 60

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Bernhard Linz (2026)
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