Taxi 4.0: Bamberg wird zum Ideenlabor der Branche

Digital. Vernetzt. Zukunftsfähig.

Think Tank 2026: Wie sich das Taxi- und Mietwagengewerbe neu erfindet

Unter dem Leitmotiv „Taxi 4.0 – Mobilität neu denken“ wurde Bamberg am 25. und 26. Juni 2026 erneut zum Treffpunkt der deutschen Taxi- und Mietwagenbranche.

Mehr als 100 Teilnehmer, Fachreferenten aus Politik, Wirtschaft und Recht sowie zahlreiche Aussteller nutzten den zweitägigen Think Tank des Taxi- und Mietwagenverbandes Deutschland (TMV), um über die Zukunft der Branche zu diskutieren.

LVBTM Think Tank 2026

Im Mittelpunkt standen Digitalisierung, Regulierung, SGB-Beförderung und die Frage, wie sich die Branche gegenüber internationalen Plattformanbietern behaupten kann.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von TMV-Präsident Thomas Kroker und dem Geschäftsführer des Landesverbandes Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen e.V. Christian Linz. Ein digitales Grußwort sprach der Bundestagsabgeordnete und Verkehrspolitiker Michael Donth, der die Bedeutung eines leistungsfähigen Taxi- und Mietwagengewerbes für die öffentliche Mobilität unterstrich und als Kenner der Materie gerne mit dabei gewesen wäre. 

Schon das Programm der Veranstaltung, intern als Ablaufplan bezeichnet, machte deutlich: Der Think Tank versteht sich nicht als klassische Verbandstagung – eher als Strategieforum. Tatsächlich entwickelt sich unser Think Tank zu einer Innovationsplattform, auf der neue Ideen/Produkte/Software usw. kompakt vorgestellt, diskutiert und ggf. auch kritisch bewertet werden. Eine Art Expert Board für unser Gewerbe.

Digitale Werkzeuge

Den Auftakt bildeten gleich mehrere Produktpremieren, die sich mit einem der zentralen Konfliktthemen der Branche beschäftigten: der Kontrolle der Rückkehrpflicht im Mietwagenverkehr. Mit RouteProof und DriveAnalytics wurden zwei aktuelle Softwarelösungen vorgestellt, die anhand von GPS-Daten, Fahrtenprofilen und Auftragsinformationen die mannigfaltigen Verstöße der Plattform-Mietwagen nachvollziehbar machen. Beide Systeme rekonstruieren Bewegungsmuster der Mietwagen und verproben diese mit plausiblen Zeitwerten. Das Ergebnis der Datenanalyse ermöglicht es Behörden, Auffälligkeiten – also Verstöße gegen die gesetzlich normierte Rückkehrpflicht – einfach und gerichtsfest zu erkennen und zu dokumentieren. Beide Softwarelösungen sind das „fehlende Puzzle-Teil“ mit dem die bayerischen Aufsichts- und Genehmigungsbehörden den Vollzug des PBefG sicherstellen können.

LVBTM Think Tank 2026

Ergänzt wurde dieser Software-Themenblock durch TeamGetCloser, eine KI-gestützte Plattform für Anhörungsverfahren nach § 14 PBefG.

Ziel der Software „KI 142“ ist es, Anhörungsprozesse und Antragsverfahren zu automatisieren und die gesetzlichen Anhörungsstellen, also die zuständigen Verkehrsverbände, bei der Bearbeitung größerer Fallzahlen zu unterstützen.

Nicht nur hinsichtlich der Masse der Verfahren, sondern auch qualitativ, indem die KI die jeweilige Antragstellung auch fachlich-inhaltlich mit der erforderlichen Tiefe bearbeitet.

Weniger Papier, mehr strukturierte Daten – so lautete die Botschaft dieser Anwendung, die derzeit wohl state-of-the-art ist.

Sicherheit und Digitalisierung gehen zusammen

Nicht nur Behörden standen im Fokus des Digitalisierungsdonnerstags. Mit der Anwendung SafeNow wurde erstmals eine App-basierte Alarmanlage für Taxi- und Mietwagenunternehmen vorgestellt. Sie soll Fahrerinnen und Fahrern in Gefahrensituationen schnelle Hilfe an einem eindeutig definierten Ort ermöglichen und somit die Sicherheit im Berufsalltag deutlich erhöhen. Hier wäre es ein gangbarer Weg, die fahrzeugtechnische Alarmanlage des § 25 BOKraft in eine kann-Regelung zu ändern und durch eine Anbindung an SafeNow zu ersetzen – auch wäre es denkbar, die Ausrüstungsverpflichtung eines Taxis/Mietwagens mit Alarmanlage über den Ausnahmetatbestand des § 43 BOKraft entfallen zu lassen und über die App-Alarmanlage SafeNow zu ergänzen. Wir werden die weitere Entwicklung der Diskussion fachkundig begleiten und Sie hinsichtlich Alarm und Co. am Laufenden halten.

Auch am zweiten Veranstaltungstag spielte Digitalisierung eine zentrale Rolle. Rechtsanwalt Dr. Maritzen präsentierte ein brandneues appbasiertes Meldeportal (verfügbar in allen gängigen App-Stores noch im Juli 2026), über das Verstöße gegen die Rückkehrpflicht und/oder auch andere abmahnfähige Tatbestände standardisiert gemeldet und in Massenverfahren bearbeitet werden können. Mit diesem weiteren Schritt in Richtung Professionalisierung des Vollzugs setzt die Branche folgerichtig auf digitale Instrumente – wir sind einen Schritt weiter, um bestehendes Recht wirksam durchsetzen zu können. 

Vorbild Österreich

Ein weiterer Schwerpunkt des Think Tank 2026 galt dem österreichischen Einheitsgewerbe. Christian Holzhauser von der Wiener Taxi-Zentrale 40100 berichtete über die Erfahrungen des Nachbarlandes seit der Zusammenführung des Taxi- und Mietwagenverkehrs im Jahr 2021. Eine Veranstaltung, die sich das Motto „Zukunft“ auf die Fahnen geschrieben hat, lebt davon, dass wir über den Tellerrand und den Gartenzaun hinaussehen. Vielen Dank and dieser Stelle an den Kollegen Holzhauser aus Österreich!

Anschließend beleuchtete der Kommentator des PBefG, unser Verbandssyndikus Thomas Grätz, die Frage, ob ein vergleichbares Modell auch in Deutschland rechtlich und praktisch umsetzbar wäre. Das Ergebnis ist genauso simpel wir schwierig: Einheitsgewerbe Deutschland ist möglich, bei der Umsetzung liegt der Teufel aber im Detail. Tatsächlich würde politischer Wille und eine saubere juristische Umsetzung aber ein Gesamtgewerbe Taxi/Mietwagen möglich machen. Wir werden sehen. Die anschließende Diskussion zeigte, dass das österreichische Modell nicht alle wirtschaftlichen Probleme gelöst hat.

Dennoch bewertet der überwiegende Anteil der Unternehmer der Alpenrepublik die dortige Reform positiv:

für Taxi-Unternehmen und Plattformanbieter gelten im Jahre 2026 dieselben gesetzlichen Rahmenbedingungen. Der interne Konflikt der Abgrenzung der beiden Verkehrsformen hat in Österreich jedenfalls ein Ende gefunden.

Krankenfahrten bleiben das wirtschaftliche Rückgrat

Der zweite Veranstaltungstag stand ganz im Zeichen der Patientenbeförderung. Für viele Betriebe (insbesondere in den Flächenkommunen und kleineren Städten) sind Krankenfahrten ein unverzichtbarer Bestandteil des Geschäftsmodells.

Rechtsanwalt Thomas Grätz stellte die Entwicklung der Beförderungsentgelte und Sondervereinbarungen nach § 51 PBefG kompakt dar und gab eine Einschätzung zu den neuesten Entscheidungen der bayerischen Verwaltungsgerichte.

Nach der eng getakteten Agenda des Think Tank berichtete anschließend Jens Marggraf über die aktuellen Auseinandersetzungen mit der DAK in Hessen und warnte vor den Folgen dauerhaft nicht auskömmlicher Vergütungen.

Ergänzt wurde dieser Themenblock durch einen Vortrag von Rechtsanwältin Rena Spiegelstein und Mansour Nezhat zum Kontext des nichtqualifizierten Krankentransports und den leidvollen Erfahrungen des Fahrdienstverbandes Süd.

Dabei ging es um die zunehmende Abgrenzung zwischen Krankenfahrten und medizinischem Transport sowie um die rechtlichen Herausforderungen für Fahrdienste sowie auch um die zähen Verhandlungen mit dem Kostenträger AOK.

Digitale Vernetzung der Gesundheitsbranche

Mit Smart Move wurde eine Plattform vorgestellt, die Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen und Taxiunternehmen digital miteinander verbindet. Entlassfahrten können direkt elektronisch vergeben werden, wodurch zeitaufwendige Telefongespräche und entsprechende Dokumentationen auf der Klinikseite entfallen.

Hierzu erfolgte ein sehenswerter Beitrag von Stephen Schuberth, dem Geschäftsführer des GVN, der das Produkt kurzweilig und sehr informativ vorstellte.

Einen ähnlich umfassenderen Ansatz verfolgt „Elite Connects“ mit einem nahezu gleichartigen Produkt.

LVBTM Think Tank Rollup 2026

Die Plattform vernetzt nicht nur Patientenbeförderung, sondern die gesamte Krankenhauslogistik. Taxi- und Mietwagenunternehmen könnten dadurch künftig stärker in digitale Klinikprozesse eingebunden werden. Beide Projekte verdeutlichen, dass digitale Schnittstellen zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit am relevanten Beförderungsmarkt entscheiden werden.

Gemeinsam stärker werden

Zum Abschluss der Veranstaltung, die ganz im Zeichen eines All-Time-Temperaturrekords stand (sagenhafte 38 Grad Celsius – gefühlte Temperatur. 42 Grad), stellte Christian Linz die Initiative „Vereinigte Fahrdienste“ vor. Unter diesem Arbeitstitel soll eine engere Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Zentralen, Leistungserbringern, Verbänden und weiteren Akteuren der Branche auf den Weg gebracht werden. Gerade angesichts wachsender Herausforderungen durch Plattformökonomie, Digitalisierung und wirtschaftlichen Druck kann die Solidarität unter den beteiligten Akteuren (auf der Seite der Leistungsanbieter) die gemeinsame Handlungsfähigkeit stärken – und damit zu einem gemeinsamen Erfolg im Sinne auskömmlicher Beförderungsentgelte beitragen. Hierzu kündigte der TMV bereits an, die Diskussionen künftig in einer Webinarreihe fortzuführen und einen weiteren themenbezogenen Taxi-Tag zu organisieren. Auch sind die Planungen für den Think Tank 2027 bereits angelaufen – wir sind gespannt, welche Schwerpunktthemen auf der Agenda stehen werden.

Mehr Werkstatt als Kongress

Begleitet wurde der Think Tank erneut von einer umfangreichen Hausmesse mit Softwareanbietern, Versicherern, Fahrzeugausbauern und Abrechnungsdienstleistern. Besonderes Interesse galt einer Weltpremiere: Der Fahrzeug-Umrüster INTAX präsentierte den erstmals zum Taxi ausgebauten XPeng P7+. Chinesische Fahrzeuge – die in unseren Breitengraden häufig unbekannt sind – werden zunehmend Marktanteile (auch im Taxi- und Mietwagenbereich) besetzen. Auch das ist ein klares Signal, welches vom Think Tank 2026 ausgegangen ist.

Schlussendlich: was bleibt vom Think Tank 2026? Bamberg war eine perspektive Veranstaltung, die weniger fertige Antworten liefern wollte als neue Impulse setzte. Der Think Tank 2026 zeigte, dass das Taxi- und Mietwagengewerbe den Wandel aktiv gestalten kann – mit digitalen Lösungen, neuen Kooperationen und einem klaren Blick auf die Herausforderungen der kommenden Jahre. Die ausgebuchte Veranstaltung, die neben den fachlichen Themen auch genug Raum für das wer-ist-wer und die Vernetzung der Teilnehmer ließ (beispielsweise durch eine 1,5-stündige Stadtführung, gemeinsames fränkisches Abendessen usw.), zeigt erneut, wie wichtig es ist, alle Akteure an einen Tisch zu bekommen. Das Format Think Tank hat sich bewährt. Die ersten Anmeldung für 2027 haben wir bereits erhalten.

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